|
|
|
||||||||||
Renate Schubert ist Professorin für Nationalökonomie und leitet seit 1993 das Institut für Wirtschaftsforschung WIF an der ETH. Sie verwendet die Lernplattform Blackboard CE (früher WebCT) in ihren Vorlesungen seit 2001.
Im nachfolgenden Interview erläutert Prof. Renate Schubert dem NET ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von E-Learning in ihren Lehrveranstaltungen.
Die Kurzform dieses Interviews erschien am 21. Mai 2004 in "ETH Life Print".
von Marco Lehre und Thomas Piendl
Fotos: Nathalie Schmidig
In welchen Lehrveranstaltungen setzen Sie webbasierte Lernumgebungen ein?
Wir setzen zur Zeit zwei Lernumgebungen ein. Eine trägt den Titel „Volkswirtschaftslehre“ und wird in Einführungsveranstaltungen zur Ökonomie eingesetzt. Eine weitere ist der „Umweltökonomie“ gewidmet und wird für umwelt- und ressourcenökonomische Lehrveranstaltungen verwendet. Teile der Umgebungen werden auch in weiteren Vorlesungen verwendet. Am Institut für Wirtschaftsforschung (WIF) entwickeln wir diese Lernumgebungen gemeinsam. Es sind dabei neben meiner noch zwei weitere Professuren, nämlich die der Kollegen Schips und Bretschger beteiligt. In abgewandelter Form werden die Lernumgebungen auch von den anderen Kollegen in deren Lehrveranstaltungen verwendet.
Für wieviele Studierende setzen Sie die Lernumgebung ein?
Wir setzen sie für die grossen Einführungsveranstaltungen „Volkswirtschaftslehre“ und „Umweltökonomie“ ein. Das sind pro Semester zwischen 600 und 800 Studierende.
Was bieten Sie denn Ihren Studierenden innerhalb der Lernumgebung an?
Wir bieten den Studierenden ein Skript mit Zusammenfassungen an, was ein langjähriger Wunsch von Studierenden war. Sie können nun schon vor der Vorlesung die entsprechenden Texte abrufen und sich zuhause vorbereiten. Zudem gibt es darin sog. „Bausteine“, in denen wichtige ökonomische Zusammenhänge in Kurzform dargestellt werden. Des Weiteren werden Definitionen von ökonomischen Begriffen und Testaufgaben angeboten, mit denen die Studierenden überprüfen können, wieweit sie den Lernstoff verstanden haben. Darunter sind sowohl Multiple-Choice-Aufgaben, bei denen die Studierenden eine Rückmeldung für eine richtige oder falsche Antwort bekommen und auch interaktive Testaufgaben mit Simulationen, wo man z.B. eine Nachfragefunktion selber konstruieren und Parameter selber verändern kann.
Was war der initiale Grund dafür, dass Sie sich entschlossen haben, Ihre Lehrveranstaltungen mit E-Learning-Massnahmen anzureichern?
Das war eine langsame Entwicklung. Es fing einerseits mit dem permanenten Wunsch der Studierenden nach einem Skript an. Da bot sich die Lernumgebung nicht zuletzt wegen der von Semester zu Semester leicht integrierbaren Veränderungen als geeignetes Medium an. Auf der anderen Seite hat natürlich die Beobachtung des Umfelds dazu geführt, dass sich E-Learning “aufdrängte“. Die ETH muss auch in der Lehre mit anderen wichtigen international ausgerichteten Hochschulen mithalten können. Und schliesslich die spezielle Situation an der ETH Zürich mit zwei Standorten. Es ist für Studierende auf dem Hönggerberg mühsam, nur für zwei Stunden ins Zentrum zu kommen, um etwa eine Vorlesung im Rahmen des GESS-Pflichtwahlfachs zu hören. Es hat sich inzwischen eingespielt, dass Studierende auf dem Hönggerberg vermehrt online zu Inhalten unserer Ökonomievorlesung zugreifen und wir somit ein grösseres Publikum erreichen.
Gab es spezielle Gründe, warum Sie die Lernplattform WebCT ausgewählt haben?
Zum einen haben wir gar nicht die technische Kompetenz, eine Lernplattform selber zu entwickeln. Dann war die Frage, was an der ETH bzw. vom NET angeboten und technisch unterstützt wird und da sind wir auf die Idee gekommen, dass WebCT das Richtige für uns sein könnte. Der Vorteil von WebCT ist, dass man nicht alles selber machen muss, WebCT an der ETH vom NET unterstützt wird und dass man mit WebCT eigentlich ganz gut und effizient arbeiten kann.
Was hat sich für Sie als Professorin signifikant geändert, seitdem Sie WebCT verwenden?
Viel mehr Studierende als früher nehmen das Angebot wahr, sich von zuhause und vom Hönggerberg aus mit der Ökonomie zu beschäftigen. Das hat zur Folge, dass zu den Vorlesung weniger Studierende als früher im Hörsaal erscheinen. Wo früher ca. 250 kamen, sind es heute noch ca. 70 Personen. Die restlichen Studierenden absolvieren den Stoff auch, aber von einem anderen Ort aus. Ich als Professorin kann nun die Vorlesung anders gestalten. Ich kann z.B. auch mal einen aktuellen Zeitungsartikel diskutieren und muss mich nicht mehr ausschliesslich der Stoffvermittlung widmen. Die Studierenden haben aber teilweise trotzdem die Erwartung, dass ich in der Vorlesung den Stoff präsentiere. Deshalb fahre ich eine Mischform, indem ich die Hälfte der Zeit der Stoffvermittlung widme und die andere Hälfte den aktuellen Beispielen und Diskussionen.
Wie wurde die Lernumgebung von Ihren Assistierenden aufgenommen?
Für die Assistierenden war die Einführung von WebCT eine Innovation und es machte ihnen Freude, etwas Neues zu machen. Viele der Assistierenden sind auch technisch begabt und interessiert. Zudem haben sie so viel mehr Kontakt zu den Studierenden, da es in WebCT zu einem regem Austausch zwischen Studierenden und Assistierenden kommt. Wir haben auch schon PC-Labore an der ETH gemietet, wo wir betreute Übungen mit und zu den Simulationen und Tests in WebCT angeboten haben. Das war auch für die Assistierenden eine tolle Erfahrung.
Wie reagieren die Studierenden auf die Online-Lernumgebung?
Ich merke, dass Studierende, die das erste Mal mit einer Lernumgebung konfrontiert sind, am Anfang unsicher sind und mit einer Menge von Detailfragen kommen. Nach zwei bis drei Wochen ist das aber erledigt. Die Studierenden haben dann das Gefühl, dass sie mit der Lernumgebung selbstständig arbeiten und sich im Voraus auf die Vorlesung vorbereiten können.
Wie sehen Sie persönlich das Verhältnis von Aufwand und Ertrag eines Lernumgebung-Einsatzes?
Ich denke, dass der Aufwand bei der originären Erstellung einer Lernumgebung sehr gross ist. Man muss seine Unterlagen gründlich bearbeiten und technisch umsetzen sowie viele zusätzliche Elemente wie etwa die „Bausteine“ oder die Übungsaufgaben aufgleisen. Da war es für uns hilfreich, dass der Aufbau unserer Lernumgebung vom Fonds Filep unterstützt wurde. Ich denke, ohne diese Unterstützung hätten wir es nicht geschafft, die Lernumgebung in der jetzigen Dimension so schnell zu entwickeln. Wenn man aber die Lernumgebung einmal entwickelt hat, ist es eher eine Erleichterung. Es bieten sich zusätzliche Möglichkeiten wie z.B. das schnelle Setzen von Links zu aktuellen Zeitungsartikeln oder die vereinfachte Anpassung von Inhalten der Vorlesung. Die Investition rentiert sich meines Erachtens auf jeden Fall.
Das NET bietet mediendidaktische und technische Beratung und Support an der ETH bzgl. WebCT an. Inwieweit half Ihnen das NET in der Aufbauphase der Lernumgebung?
Ich denke, ohne die kompetente Unterstützung des NET hätten wir die Lernumgebung nicht so gut aufbauen können. Wir haben zwar die mediendidaktische Beratung weniger in Anspruch genommen als die technische. Ohne NET hätten wir aber einen Haufen von kompetenten Leuten zusätzlich einstellen müssen, und dazu hätten uns die Ressourcen gefehlt. Auch die Assistierenden haben vom NET-Support immer sofort, schnell, genau richtig und im Detail Unterstützung bekommen, was extrem nützlich und wertvoll war.
Was waren/sind Ihre Ängste bzw. Vorbehalte gegenüber Lernumgebungen oder E-Learning? Haben sie sich bewahrheitet?
Ängste und Vorbehalte konnte ich bei mir eher weniger feststellen. Der Einsatz einer Lernumgebung bedeutet aber, dass man sich wieder mehr mit dem Vorlesungsstoff beschäftigen muss. Ich nehme nicht einfach nur das Skript in den Hörsaal und „bete das herunter“. Es ist schön, dass ich durch E-Learning einen Ansporn habe, die Vorlesung neu zu gestalten.
Welches finden Sie die nützlichsten/besten Funktionen von WebCT?
Sehr nützlich finde ich die Möglichkeit des direkten Mailkontakts, die auch sehr intensiv benutzt wird. Dass es möglich war, die interaktiven Testaufgaben so einfach in WebCT hineinzubringen, spricht für das Instrument. Ebenfalls finde ich gut, dass man in WebCT Daten mit WebDAV einfach mit Drag and Drop heraufladen kann, was den Aufwand verringert.
Was für einen Tipp würden Sie Dozierenden geben, die über einen Einsatz von WebCT in ihren Vorlesung nachdenken?
Ich würde ihnen sagen, dass die Lehrveranstaltung durch den Einsatz einer Lernumgebung besser wird. Man kann über die pure Stoffvermittlung hinausgehen und besser auf die Bedürfnisse der Studierenden eingehen, die heute vermehrt auch selber und mit ein bisschen Technik drumherum den Stoff erarbeiten wollen. Ein anderer Punkt ist der, dass E-Learning an allen Ecken und Enden zum Einsatz kommt, und wenn man da nicht aufpasst, ist man in kurzer Zeit ein „verstaubter Dozent" oder eine "verstaubte Dozentin“, zu denen keiner mehr gehen möchte, weil man etwas nicht macht, was alle anderen anbieten.
Weitere Informationen zu webbasierten Lernumgebungen an der ETH finden Sie hier:
ETHonline - aktuelle Lernumgebungen an der ETH
Infos des NET - Network for Educational Technology zu Unterrichtsumgebungen
Wichtiger Hinweis:
Diese Website wird in älteren Versionen von Netscape ohne
graphische Elemente dargestellt. Die Funktionalität der
Website ist aber trotzdem gewährleistet. Wenn Sie diese
Website regelmässig benutzen, empfehlen wir Ihnen, auf
Ihrem Computer einen aktuellen Browser zu installieren. Weitere
Informationen finden Sie auf
folgender
Seite.
Important Note:
The content in this site is accessible to any browser or
Internet device, however, some graphics will display correctly
only in the newer versions of Netscape. To get the most out of
our site we suggest you upgrade to a newer browser.
More
information